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18. Leinen los!

„Leinen abwickeln und Anker rauf, alle Segel runter baumeln

lassen, Nase putzen und los geht´s!"

Käpt´n Krausbart staunt nicht schlecht, als er

sieht, dass das Ruder frei ist und Opa am

Steuer steht und fröhlich kommandiert.

 

„Wie kam denn das?“ will er wissen.

„Mein Jungchen,“ antwortet Opa Krausbart,

„man muss manchmal eben genau hingucken, auch wenn

man es eilig hat, oder auf der Flucht ist,

oder auch gar keine Lust hat!

Merk dir das!

Und jetzt räum´ die blöde Kette hier wieder weg.“

 

„Na, zum Glück haben wir unsere Freiheit wieder,

das ist auch ein Schatz!“ ruft der Käpt´n

wichtigtuerisch.

„Und zwar ein ziemlich großer!“ antwortet Opa.

 

Lasse steht immer noch im Ausguck und hört

mit einem Ohr, wie der Käpt´n sich freut,

dass Hühnerbein und seine gesamte Mannschaft

im Verlies des Kraken verschimmeln oder

innerhalb der nächsten zwei Wochen von

ihm zum Abendessen verspeist würden.

 

Lasse dreht sich noch einmal zur Insel um und kneift ganz fest die Augen zusammen.

Ganz weit hinten am Horizont ist sie ganz winzig klein gerade noch zu erkennen – die Hühnergeier.

Verlassen dümpelt sie im seichten Gewässer vor der Insel der verlorenen Schlüssel.

 

Der Wind streift durch sein Haar und der Geruch vom Meerwasser und spritzender Gischt steigt auch bis ins Krähennest herauf.

 

Opa Krausbart dreht die Windjauler in den Wind, und nimmt Kurs auf Kap Augapfel,

denn da wollen die Piraten hin - wegen der Bratkartoffeln. Mit ganz viel Speck und Spiegelei.

 

 

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Eintrag vom 17.5.1856

Zeit: kurz vor Sonnenuntergang

Ort: 188 Grad westlicher Breite im

"Tiefen Meer", 13 Grad Südsüdost

Es schreibt: Piratenlehrling Lasse Eisenhammer Ich befinde mich zum Glück an Bord der Windjauler

Das Wetter klart auf und wir machen gute Fahrt Richtung Kap Augapfel.

Wir werden den Hafen erreichen, bevor der Mond aufgeht - wenn nichts dazwischen kommt.

 

Ich habe gelernt, dass es im Tiefen Meer viele Gefahren gibt. Aber auch wunderbare Musik.

Und ich habe einen Kraken ausgetrickst, ein richtiges Piratenschiff gelenkt und wir haben alle zusammengehalten, um aus der Gefangenschaft zu fliehen. Wir sind wieder in Freiheit!

 

Eines Tages werde ich den Kraken besuchen, um mit ihm nochmal gemeinsam Musik zu machen.

Das war so schön. Und aber auch sehr gefährlich. Ich bin eben ein echter Pirat!

 

 

Hoffentlich finden wir bald einen Schatz!

gez. Lasse Eisenhammer

 

P.S.: Was niemand wissen darf - ich habe den Holzpflock aus dem Türriegel der Höhle

herausgezogen, bevor ich weggelaufen bin..