2. Schiffsjungenpflichten

Lasse klettert über die Taue und das Fass mit der Stockfischsuppe nach vorne und hält die Hand über die Piratenaugen, um gegen die untergehende Sonne sehen zu können, wo sie gelandet, oder besser gesagt – gestrandet sind.

 

Die Windjauler liegt mit der vorderen Hälfte im Sand, die hintere ist noch im Wasser.

 

Es scheint nicht ganz so schlimm zu sein, wie es zuerst aussah und die Mannschaft klettert an einem langen Tau hinunter in den warmen, feinen Sand.

Sie setzen sich hin und betrachten die Bescherung.

 

„Hier sehen wir...“, kommentiert der Käpt´n, der nun um das kleine Schiff herum stolziert „dass wir mal sehen können, wie viel Sachen so unten an dem Schiffsrumpf hängen, die dringend wieder abgemacht werden müssen.“

 

„Abgemacht? Sachen?“, fragt Lasse und  schaut staunend auf den Schiffsrumpf.

An den Planken der Windjauler hängt wirklich allerlei Zeugs. Zunächst einmal grüner Seetang und darin haben sich viele gestreifte Muscheln verfangen.

Und Seesterne und lauter kleine Steinchen.

 

„Das muss ab“ bestimmt Opa Krausbart „Und zwar direkt bei dieser Gelegenheit. Sonst macht der ganze Kram das Schiff zu langsam und wir können dem Hühnerbein nicht mehr entkommen.“

 

Oh, ihr wisst, wer Hühnerbein ist? Nun, kurz gesagt ist das der gefährlichste und schrecklichste Pirat im gesamten "Tiefen Meer", in dem die Piraten alle herumsegeln. Er hat ein großes, riesengroßes Schiff mit einhundertelf wilden Kerlen an Bord und einhundertzwölf dicken Kanonen. Und Hühnerbein ist hinter etwas ganz, ganz wertvollem hinterher. Etwas, das Opa Krausbart und der Käpt´n auf ihrem kleinen Schiff in einer Piratenschatzkiste versteckt haben.

Aber davon ist jetzt noch nicht die Rede. Jetzt noch nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt wird erst einmal das Deck geschrubbt und die Planken geputzt, damit es morgen wieder auf große Fahrt gehen kann, in Richtung Hafen wahrscheinlich.

Die drei Piraten schrubben, putzen und wienern alle Planken. Normalerweise ist das eine Arbeit für den Schiffsjungen, Lasse also. Aber es ist schon spät und so helfen alle mit, bis die Windjauler wieder so aussieht, als käme sie frisch aus einem Geschäft für Piratenbedarf.

 

In der Abendsonne am Strand der kleinen Hafeninsel sitzen Opa, der Käpt´n und Lasse und machen sich den letzten Rest Stockfischsuppe auf einem Feuer warm.

"Was für ein Piratenfraß... schon sieben Tage lang Stockfischsuppe.", murmelt Lasse und kaut endlos auf einer Fischgräte herum.

Sein Magen knurrt. Aber das gehört eben zum Piratenleben.

 

"Du kannst froh sein", flüstert ihm

der Käpt´n zu "dass noch Stockfischbrühe da ist.

Sonst hätten wir aus dem Müll, den wir

vom Schiffsrumpf abgekratzt haben,

ein Süppchen gekocht!"

Der Käpt´n lacht, aber glücklich

sieht er dabei nicht aus.

 

Die Wellen plätschern leise und

am Horizont schimmert das Meer

so rot, dass man meinen könnte,

die Sonne würde gleich zischen,

heiß ins Wasser hinein tauchen und

dann in einer Dampfwolke untergehen.

 

Es wird dunkel und am Himmel über dem Tiefen Meer beginnen tausende von Sternen zu funkeln. Lasse legt seinen Kopf zurück und einen Arm darunter, damit er es bequem hat.

Er schaut in den Himmel und träumt davon, einmal ein richtiger Pirat zu werden.

Ein Pirat, der den Armen hilft und seine ganzen Schätze verschenkt, die er im Kampf erbeutet, oder auf einsamen Schatzinseln gefunden hat.

 

Opa Krausbart schnarcht schon leise und Lasse hört noch, wie der Käpt´n etwas murmelt, das sich anhört wie „Immer dieses unglaubliche Durcheinander am Steuerrad... aber ich hab schon eine Idee!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann wird es ganz dunkel und die Drei träumen wilde Piratenträume.

Wirklich alle Drei? Nein, da schleicht sich doch der Käpt´n ganz leise noch einmal an Bord und klettert vorsichtig in die Kajüte hinunter. Holz knarrt, irgendetwas wird hin und her geschoben. Ein Deckel klappt mit hölzernem Geräusch auf und zu. Nach ein paar Minuten kommt er wieder herauf. Ganz leise geht er Schritt für Schritt die kleine Treppe zum Ruderstand hoch. Er trägt irgendetwas unter seinem Arm. Es klimpert leise. Wenn es nicht so dunkel wäre, denn heute ist Neumond, könnte man vielleicht sehen, was er dort oben macht. Aber leider ist bei Neumond der Mond von der Erde aus nicht zu sehen und daher ist es richtig dunkel am Strand. Nur die Sterne funkeln lautlos.

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